Eine kulturenverbindende Sprachschatzkiste

Im Buchprojekt „Sprachschatzkiste“ haben Studenten der Pädägogischen Hochschule Bilderbücher in nun bereits 22 Sprachen gemacht, und lesen nun daraus vor …
Diesmal sind Persisch, Romanes und Arabisch dran.
Für Sanaz (13) und ihren Brüdern Sajot (10) und Soheir (5) wird die Geschichte in Persisch vorgelesen:

Die drei sind mit ihren Eltern aus Afghanistan geflohen und leben jetzt zu fünft in zwei engen Zimmern der Unterkunft.Sie haben schon viel Deutsch gelernt. Doch die Geschichte von Hugo, dem bunten Papagei, liest Sanaz lieber auf Persisch . Das ist okay für Sussan Seyyedi, die manche der Geschichten übersetzt hat, und Corinna Lachnit, eine der PH-Studentinnen, die verteilt an den Tischen sitzen.

Die Bücher sind alle selbst gemacht: die Geschichten erfunden, die Bilder gemalt, von ehrenamtlichen Übersetzern übersetzt. Wichtig war die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz, dessen Sozialdienst in der Unterkunft arbeitet, denn dort gibt’s viele Kontakte. Daneben waren die Studierenden zum Vorlesen aber auch an Schulen.
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Für manche Kinder war es ein einmaliges Ereignis – Bergita Badalli erinnert sich an einen staunenden Roma-Jungen: „Wahnsinn, ein Buch in meiner Muttersprache!“
Entstanden ist die Projektidee in einem Seminar der Dozentin Katja Schnitzer. Es war die Reaktion auf eine Studie mit einem erschreckenden Ergebnis: die Quote mehrsprachig aufwachsender Kinder – mit einer anderen Muttersprache als Deutsch oder einer weiteren Muttersprache neben Deutsch – liegt an Förderschulen bei 60 bis 80 Prozent.
Die Buchaktion will benachteiligte Kinder im Lesen fördern und setzt dabei bewusst an deren Muttersprachen an: denn es gilt längst als erwiesen, dass die Kompetenz in der Muttersprache die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg in anderen Sprachen – wie Deutsch – ist.

„In diesem Semester ist es uns gelungen, an mehreren Schulen mehrsprachige Bibliotheken einzurichten. Dafür haben wir die Bücher vom vergangenen Jahr überarbeitet und auch noch einige neue geschrieben sowie tolle Aktionen realisiert. Wir haben jetzt über 20 Bücher in etwas mehr als 20 Sprachen“, erzählt eine Aktive der „Sprachschatzkiste“. Die Flüchtlingsunterkunft nutzte die Vorlagen außerdem für den Aufbau einer Bibliothek.

Das passte umso besser, weil die Geschichten helfen, Freiburg kennenzulernen:
Sie spielen unter anderem im Münster, auf dem Mundenhof oder am Schlossberg. Hauptziel des Projekts war und ist die Förderung der Muttersprache, betont Katja Schnitzer. Studien belegen, dass Kinder dadurch leichter Deutsch und andere Sprachen lernen.
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Inzwischen wurden nun neun der Geschichten ausgewählt und veröffentlicht.
Jedes Buch ist mehrsprachig, der deutsche Text ist gelb gedruckt, von den 22 anderen Sprachen hat jede ihre eigene Farbe. Es sind gängige Sprachen wie Französisch und Türkisch dabei, aber auch Exoten wie Lettisch oder Ukrainisch.

Doch das Projekt entwickelt sich ständig weiter. Neben Bilderbüchern kommen jetzt auch noch Hörspiele dazu. Was macht der kleine Viktor, als sein Bächleboot verschwindet? Er verfolgt seine Spur und landet plötzlich im Mittelalter. Joanna Zdzichowska hat diese Geschichte vorgelesen – auf ihrer Muttersprache Polnisch. Dazu kamen passende Geräusche und technische Tricks, und alles wurde aufgenommen. So entstand ein polnisches Hörspiel.

Quelle: Badische Zeitung

 Geschichten, die für alle da sind (veröffentlicht am Die, 5. Juli 2011 auf badische-zeitung.de)
Geschichten aus der Sprachkiste (veröffentlicht am Fr, 25. April 2014 auf badische-zeitung.de)