Wie kann man Flüchtlingen in Südbaden helfen?

DSCF0030 (1)Badische Zeitung vom 02.09.2015

Möbel, Kleidung, Wohnung, Sprachunterricht:
Wer als Flüchtling nach Südbaden kommt, braucht in vielerlei Hinsicht Hilfe. Gemeinden, Landratsämter und Arbeitskreise der Helfer informieren darüber, wie sich Bürger am besten engagieren können.

Die Hilfsbereitschaft der südbadischen Bevölkerung für die ankommenden Flüchtlinge ist groß. Viele fragen sich, wie sie gemessen an ihren Möglichkeiten am besten helfen können – mit Geld, Sachspenden, gemeinsamen Freizeitaktivitäten, Sprachunterricht oder gar Patenschaften.

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  1. Sie können jede Hilfe gebrauchen.

Damit aus „gut gemeint“ nicht „schlecht gemacht“ wird, koordinieren die Behörden, Sozialarbeiter, Hilfsorganisationen und die Ehrenamtlichen in den Arbeitskreisen die Hilfen. Keine leichte Aufgabe, zumal die Bewältigung des rasant ansteigenden Zuzugs von Flüchtlingen an sich schon eine große Herausforderung darstellt.

Ich möchte Geld spenden

Einige Arbeitskreise von Ehrenamtlichen wie etwa der „Arbeitskreis Miteinander“ in Lörrach sind bereits eingetragene gemeinnützige Vereine, die Geldspenden annehmen und auch Spendenquittungen ausstellen.
In Freiburg etwa gibt es den „Freiburger Flüchtlingsfonds“ unter dem Dach der Wilhelm-Oberle-Stiftung, in dem alle Spenden für Flüchtlinge in der Stadt zusammenkommen und wo ein Expertengremium über die Verteilung der Mittel entscheidet.

Große Organisationen wie Rotes Kreuz, Caritas und Diakonie nehmen natürlich ebenfalls Spenden an.
Auf keinen Fall, sagen Ulf Fiedler vom „Freundeskreis Asyl“ in Emmendingen und Vitus Lempfert vom „Arbeitskreis Miteinander“ in Lörrach, sollte man Flüchtlingen direkt Geld geben – weil das eine individuelle Bevorzugung gegenüber anderen wäre und weil sie sich nicht als „Beschenkte“ fühlen sollen.
Ich möchte zeitweise mitarbeiten
Wer helfen will, wendet sich am besten an die Stellen, die die Hilfen koordinieren (siehe nebenstehenden Kasten). Sie wissen, wer wo was am dringendsten benötigt. Da gibt es Praktisches zu tun und Organisatorisches. „Das Wichtigste ist aber der Kontakt zu den Menschen selbst“, sagt Ulf Fiedler. Da geht es darum, Menschen zu den Behörden oder zum Arzt zu begleiten oder für sie Lebensläufe für spätere Bewerbungen zu schreiben.

Ich möchte den Flüchtlingen helfen, Deutsch zu lernen
In den Gemeinschaftsunterkünften gibt es zwar Deutschkurse, aber mit ihnen allein ist es nicht getan. „Hilfreich ist deshalb einfach das Gespräch in Deutsch“, sagt Fiedler. Man muss nicht Lehrer sein oder gar Deutsch als Fremdsprache studiert haben, um den Flüchtlingen beim Erwerb der Sprache weiterzuhelfen.
Da reicht es schon, mit ihnen mal durch die Stadt zu gehen und zu erklären, wo sich was befindet. Jeder Kontakt, ob beim gemeinsamen Grillen oder im Sport- oder Musikverein, ist ein kleiner Deutschkurs. Wünschenswert ist natürlich Nachhilfe für Schulkinder.

Ich möchte mich um eine Familie kümmern
Beeindruckendes leistet der „Arbeitskreis Miteinander“ im Landkreis Lörrach. Er steht 40 Flüchtlingsfamilien mit Rat und Tat zur Seite. „Das sind insgesamt etwa 130 bis 150 Personen. Jede dieser Familien hat einen Begleiter, teilweise schon seit Jahren“, erzählt Vitus Lempfert, Vorsitzender des Arbeitskreises. Die Begriffe Patenschaft oder Betreuung verwendet er nicht so gern.

Die Begleiter kümmern sich für Familien, die inzwischen in Wohnungen leben, um Behördenkram, organisieren etwa einen Kinderwagen für das Baby oder vermitteln Mitgliedschaften in Sportvereinen. Die Begleiter stehen im regelmäßigen Kontakt mit ihren Flüchtlingsfamilien. Sie lösen gewissermaßen die Sozialarbeiter ab, die die Familien nach dem Auszug aus der Gemeinschaftsunterkunft nur noch etwa ein halbes Jahr lang weiter betreuen. „Vor allem durchbrechen die Begleiter die Isolation dieser Familien. Das ist das Wichtigste“, sagt Lempfert. Der Zeitaufwand ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

Wie kann man Flüchtlingen in Südbaden helfen?
(veröffentlicht am Mi, 02. September 2015 08:42 Uhr auf badische-zeitung.de)