{"id":1012,"date":"2015-09-13T10:58:53","date_gmt":"2015-09-13T10:58:53","guid":{"rendered":"http:\/\/oberle-stiftung.de\/?page_id=1012"},"modified":"2022-03-17T14:44:34","modified_gmt":"2022-03-17T14:44:34","slug":"bei-cima-ein-besuchsbericht-von-clemenso","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/?page_id=1012","title":{"rendered":"bei CIMA: ein Besuch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">von Clemens Oberle \/ aus 2007:<a href=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Cima_JungsSingtH_Bewegt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1006 alignright\" src=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Cima_JungsSingtH_Bewegt-300x214.jpg\" alt=\"Cima-Jungs singen ihre 'Hymne'\" width=\"278\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Cima_JungsSingtH_Bewegt-300x214.jpg 300w, https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Cima_JungsSingtH_Bewegt-1024x731.jpg 1024w, https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Cima_JungsSingtH_Bewegt.jpg 1297w\" sizes=\"auto, (max-width: 278px) 100vw, 278px\" \/><\/a><span style=\"font-size: inherit;\"><br \/>\nNun auf zum Stra\u00dfenkinderheim in Cieneguilla, au\u00dferhalb von Lima. Jean Louis und zwei seiner Sch\u00fctzlinge holen uns auf halber Strecke ab, denn mit Sonias PKW kommen wir nicht durch den z.Zt. Niedrigwasser f\u00fchrenden Flu\u00df. Der Pickup von CIMA hat Museumswert, trotzdem schafft er es problemlos durch das steinige Flu\u00dfbett. Im Sommer mu\u00df ein 5km langer Umweg \u00fcber eine Br\u00fccke gefahren werden, der Flu\u00df ist dann nicht mehr passierbar.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><br \/>\nDas CIMA Gel\u00e4nde wirkt wie eine gr\u00fcne Oase inmitten kahler Sand- und Ger\u00f6llh\u00fcgel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jean Louis erste Frage an uns: \u201eWieviel Zeit bringt ihr mit?\u201c<br \/>\nEr ist zufrieden als wir ihm sagen, da\u00df wir \u2013 falls n\u00f6tig \u2013 den ganzen Tag zur Verf\u00fcgung haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jean Louis ist 64, ein stattlicher grauhaariger Kanadier mit einer unglaublichen Ausstrahlung. Mit 40 nahm er ein Sabbatjahr, sein Lehrerberuf hatte ihn ausgepowert. Erst kam er nach Haiti, wo er schon merkte, da\u00df seine pers\u00f6nlichen Probleme angesichts der dort herrschenden Armut nichtig waren.<br \/>\nVor \u00fcber 20 Jahren kam er dann nach Peru \u2013 und blieb.<br \/>\nEr ging in die Parks im Stadtzentrum von Lima, dorthin, wo sich die Stra\u00dfenkinder herumtreiben. Er gewann ihr Vertrauen, mietete ein Haus im Stadtzentrum an und zog dort mit ersten 4 Stra\u00dfenkindern ein&#8230;<br \/>\nSp\u00e4ter brauchte er ein gr\u00f6\u00dferes Haus, immer mehr Jungs wollten mit ihm leben. Seit gut 5 Jahren lebt er mit verschiedenen im Projekt angestellten Menschen und \u00fcber 80 Stra\u00dfenjungs im Alter zwischen 8 und 18 in Cieneguilla.<br \/>\n\u201eFr\u00fcher hatte ich alles, ein sch\u00f6nes Haus, genug Geld, Hobbys, einen gut bezahlten Job \u2013 aber ich war innerlich leer und ausgebrannt. Jetzt habe ich Geldsorgen und Kummer mit meinen Jungs \u2013 aber ich bin gl\u00fccklich\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser \u201eEinstand\u201c beginnt im Musikraum. Dort probt gerade eine Stra\u00dfenkinderband, angeleitet von zwei &#8222;Ehemaligen&#8220;. F\u00fcr uns wird Musik gespielt \u2013 recht professionell. Jeder einzelne Junge stellt sich uns vor. Ich bin \u00fcberrascht, wie kurz erst einige dabei sind. Wir tanzen dazu, auch wenn mir eher zum heulen zumute ist: <a href=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Cima_JungsSingtH_Bewegt.jpg\"><br \/>\n<\/a>Die Geschichten der Jungs stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. Fast alle stammen aus zerr\u00fctteten (Migranten-) Familien, lebten auf der Stra\u00dfe und waren drogenabh\u00e4ngig. Meist von Terocal, einer Grundsubstanz aus der Kokainherstellung, die geschn\u00fcffelt wird und Hirn und Schleimh\u00e4ute angreift und agressiv macht.<br \/>\nDann wird gesungen \u2013 mit Jean Louis zusammen: Die Hymne von CIMA. Ergreifend ist das schon. Vor kurzem erst war Jean Louis mit ein paar Jungs sogar in Deutschland \u2013 ins Saarland waren sie eingeladen von einer Pfarrei \u2013 Spendenwerbung. Eine CD wurde herausgegeben. Nun gibt\u2019s eine Finanzierung f\u00fcr die Professionalisierung der Band!<br \/>\nJean Louis hat Angst, da\u00df die Jungs nicht die Ausdauer haben werden, t\u00e4glich zu proben, wirklich auf Profiniveau zu spielen. Denn CIMA ist offen, jeder kann gehen, wenn er ihn &#8222;die Stra\u00dfe&#8220; wieder ruft, allerdings nur dreimal, dann darf man nicht mehr wiederkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir besichtigen das gesamte Gel\u00e4nde (die verschiedenen Geb\u00e4ude wurden nach und nach von unterschiedlichen Geldgebern finanziert): 6 Wohnblocks, in denen jeweils 16 Jungs mit 2 im Turnus arbeitenden Betreuern leben. B\u00fcro- und Arbeitsr\u00e4ume (eine Belgierin k\u00fcmmert sich um die Organisation und die Finanzen), 2 oder 3mal die Woche halten ein Arzt und ein Zahnarzt im Wechsl Sprechstunde. Sozialarbeiter und Psychologen arbeiten ebenfalls mit. Es gibt kleine Unterrichtsr\u00e4ume, wo Lehrer im Aufbauunterricht erg\u00e4nzend zur Schule individuelle Nachhilfen in kleinen Gruppen erteilen. In einem gro\u00dfen Holzschopf (der Festsaal) ist z.Zt. die Bibliothek untergebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer Gro\u00dfk\u00fcche (mit super Ziegelstein-Brikettherd, der von Studenten der katholischen Hoch-schule gebaut wurde, die sich auch um die Versorgung mit Briketts k\u00fcmmern) wird von einem K\u00fcchenteam \u2013 die Stra\u00dfenjungs arbeiten in jedem Bereich mit \u2013 in riesigen Kocht\u00f6pfen Essen f\u00fcr alle zubereitet, das vom K\u00fcchendienst eines jeden Pavillons (Wohnhauses) in gro\u00dfen Plastikeimern abgeholt wird. Gegessen wird in den einzelnen Gruppen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verschiedene Werkst\u00e4tten gibt es, wobei z.Zt. 2 gr\u00f6\u00dfere R\u00e4ume \u2013 aus Personalmangel \u2013 ungenutzt sind. Funktionieren tut die Schreinerwerkstatt, einige Jugendliche sind am Arbeiten, wobei es weniger um tolle Holzmaterialienherstellung als um Besch\u00e4ftigungstherapie geht. Die angefertigten St\u00fccke scheinen nicht so sehr zum Verkauf geeignet&#8230;.<br \/>\nHier k\u00f6nnen wir helfen: Z.B. kann Esmeralda Ranjel, die Lehrerinnen in der Montessori-P\u00e4dagogik ausbildet und in Cusco in einer Stra\u00dfenkinderwerkstatt Holzmaterialien herstellen l\u00e4\u00dft, vorbeikommen um den Jungs die ben\u00f6tigten Materialien vorzustellen. F\u00fcr Lima k\u00f6nnten diese Materialien auch gut bei CIMA hergestellt werden.<br \/>\nIn der Metallverarbeitung unterrichtet gerade ein pensionierter Schlosser, einige Jungs lernen schwei\u00dfen. Fehlen tun hier vor allem Materialien wie L\u00f6t- und Schwei\u00dfst\u00e4be. Wir sagen ca. 300 USD f\u00fcr deren Anschaffung zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was Gem\u00fcse, Obst angeht, ist CIMA teilweise Selbstversorger. Es gibt Weinreben und Obstb\u00e4ume, Klein-tierzucht und ein gro\u00dfes Gartengel\u00e4nde. <a href=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Lima250908-036.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1009 aligncenter\" src=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Lima250908-036-300x215.jpg\" alt=\"CIMA 250908 036\" width=\"300\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Lima250908-036-300x215.jpg 300w, https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Lima250908-036-1024x735.jpg 1024w, https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Lima250908-036.jpg 2008w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders die Jungs, die neu nach CIMA kommen, besch\u00e4ftigen sich zuerst mit den Kleintieren:<br \/>\nZiegen, H\u00fchner, Meerschweinchen, oder arbeiten im Garten mit.<br \/>\nIm Garten sind einige bei der Arbeit. Ein Kleiner zeigt uns stolz das Gem\u00fcse und bricht zwei riesige Gurken ab. In eine bei\u00dft er gen\u00fc\u00dflich selbst nachdem er sie an seiner nicht gerade sauberen Hose abgerieben hat, dann bricht er sie durch und dr\u00fcckt mir die eine H\u00e4lfte in die Hand. Die andere Gurke sollen Jean Louis und Sonia sich teilen. Wir werden mit Gem\u00fcse \u00fcberh\u00e4uft, jeder bekommt Gurken, M\u00f6hren, rote Beete, Mangold, Zwiebeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und schon ist eine weitere Idee geboren: Es gibt Gem\u00fcse und Obst, das aber nicht verarbeitet wird. Und Werkr\u00e4ume stehen leer. Sonia wird Studenten vorbeischicken, die Kurse in Marmeladenherstellung und Lebensmittelverarbeitung geben&#8230;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Gruppe von Jungs begleitet uns ein St\u00fcck Richtung K\u00fcche. Ein 10j\u00e4hriger nimmt mich bei der Hand. Auf die Frage, wie lange er schon hier sei antwortet er \u201eseit einer Woche, aber ich war vorher schonmal da und bin dann ausgeb\u00fcchst\u201c. Er ist ein Jahr lang auf der Stra\u00dfe geblieben. \u201eUnd wie ging es dir da?\u201c \u201eSehr sehr schlecht&#8230;\u201c.<br \/>\nWir setzen uns auf einen Holzbalken und reden noch ein bischen. Er hat Tr\u00e4nen in den Augen und gr\u00fcngelber Rotz l\u00e4uft ihm aus der Nase. Am Schlu\u00df umarmen wir uns und er verspricht, nicht mehr abzuhauen sondern durchzuhalten, und sp\u00e4ter anderen zu helfen, die nachkommen und denen es noch dreckiger geht&#8230;<br \/>\nNach der Umarmung juckt es mich am ganzen K\u00f6rper, gar Pulgas (Fl\u00f6he)?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 9j\u00e4hrige David f\u00fchrt uns durch seinen Wohnpavillon, zeigt Gemeinschaftsraum, Duschen, Schlafr\u00e4ume und den Waschplatz auf dem Dach \u201ewir waschen alle selbst unsere W\u00e4sche und hier (ein Regal mit Schuhen) stellen wir unsere Schuhe ab&#8230; Zur\u00fcck im Gemeinschaftsraum erz\u00e4hlt David seine Geschichte:<br \/>\nVielk\u00f6pfige Familie, Vater nicht vorhanden. Der Freund der Mutter schlug die Kinder. David trieb sich auf der Stra\u00dfe rum und wollte Geld verdienen um seine Mutter zu unterst\u00fctzen. Daf\u00fcr stahl er ihr Geld und ging zu Spielautomaten. Als die Mutter den Diebstahl bemerkte, setzte sie ihn vor die T\u00fcr. Nach einiger Zeit auf der Stra\u00dfe kam David zu CIMA. Er schluchst heftig, er wollte seine Mama doch nur unterst\u00fctzen und hat ihr doch durch seinen Diebstahl so viele Sorgen bereitet&#8230;<br \/>\nJean Louis umarmt und tr\u00f6stet ihn und f\u00fcgt hinzu, da\u00df David einmal im Monat jetzt seine Familie besucht. \u201eSogar mit dem Freund der Mutter komme ich jetzt einigerma\u00dfen aus\u201c meint David. Und bittet uns, mit ihm in seinem Pavillon zu Mittag zu essen. Nat\u00fcrlich nehmen wir die Einladung an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die monatlichen Einnahmen von CIMA liegen bei ca. 9.000 USD Spenden, meist von Privatpersonen, 5.000 USD davon sind von einem alten, reichen Peruaner. Diese Summe kann von heute auf morgen wegfallen. Die monatlichen Ausgaben bzw. der monatliche Bedarf liegt aber bei 13.000 USD. Desweiteren gibt\u2019s unz\u00e4hlige Notwendigkeiten. Eine gro\u00dfe Hilfe von Seiten der Oberle-Stiftung w\u00e4re eine j\u00e4hrliche Globalunterst\u00fctzung \u2013 z.B. 6.000,&#8211; USD j\u00e4hrlich zur freien Verf\u00fcgung, um Priorit\u00e4ten mit abzudecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich frage Jean Louis \u201eUnd wenn Du die Notwendigkeiten mal beiseite l\u00e4\u00dft, was sind Deine Tr\u00e4ume f\u00fcr die Zukunft?\u201c Jean Louis strahlt: \u201eJa, ich habe einen Traum! Ich m\u00f6chte gerne, da\u00df die ehemaligen Stra\u00dfenjungs hier mit eingebunden werden. Das sind so viele gro\u00dfartige Talente, ich denke da besonders an einen tollen Burschen, der jetzt verheiratet ist, selbst zwei Kinder hat und als Kassierer in einem Bus arbeitet. Er kann aber so viel&#8230; Und andere, die sich alle regelm\u00e4\u00dfig bei mir melden und uns besuchen, wenn die hier in der N\u00e4he w\u00e4ren und ihre Erfahrungen weitergeben k\u00f6nnten&#8230;\u201c<br \/>\n\u201eTr\u00e4ume weiter, aber konkret. Was brauchst Du, wie k\u00f6nnte was sein, wieviel w\u00fcrde was kosten, und dann schreib alles auf&#8230; und lass uns mittr\u00e4umen&#8230; Deine Idee ist wunderbar!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wie sieht er eigentlich die Zusammenarbeit mit der Oberle-Stiftung? Unsere Unterst\u00fctzung ist bescheiden und viele gro\u00dfe Organisationen haben bisher auch mit nicht gerade kleinen Betr\u00e4gen unterst\u00fctzt.<br \/>\nJean Louis schaut entsetzt: \u201eWei\u00dft Du, es kommen viele hierher, und viele kommen, haben eine Stunde Zeit und in dieser Stunde wollen sie dir ihre Meinung aufdr\u00fccken, was hier verbessert werden kann, wie das zu geschehen hat, wie ihr Geld eingesetzt werden soll und wie was abgerechnet werden mu\u00df. Einer kann viel geben und doch bedeutet das nicht wirklich was. Eine minimale Hilfe wie Euer Fonds kann so viel mehr bedeuten. Ihr kommt und nehmt Euch Zeit und ob ihr uns Geld gebt oder nicht, Ihr seht und versteht uns mit dem Herzen\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Clemens Oberle \/ aus 2007: Nun auf zum Stra\u00dfenkinderheim in Cieneguilla, au\u00dferhalb von Lima. Jean Louis und zwei seiner Sch\u00fctzlinge holen uns auf halber Strecke ab, denn mit Sonias PKW kommen wir nicht durch den z.Zt. Niedrigwasser f\u00fchrenden Flu\u00df. 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