{"id":1286,"date":"2015-09-21T03:02:00","date_gmt":"2015-09-21T03:02:00","guid":{"rendered":"http:\/\/oberle-stiftung.de\/?page_id=1286"},"modified":"2021-06-18T10:31:45","modified_gmt":"2021-06-18T10:31:45","slug":"die-mehr-generationen-schuhputzfamilie-von-la-paz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/?page_id=1286","title":{"rendered":"Eine Mehr-Generationen-Geschichte aus La Paz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Alicia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-1634 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Alicia-150x150.jpg\" alt=\"Alicia\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a>Unsere Geschichte beginnt mit Familie Yanique Calle und sechs Familienmitgliedern: Mutter Alicia, auch Do\u00f1a Alicia genannt mit den Kindern &nbsp;Eric, Nelson, Willy, Jhilda, Israel. Vamos juntos arbeitet mit der Mutter&nbsp; seit 2000 zusammen.<br>Bis Anfang 2013 traf man Alicia auf der Stra\u00dfe an, wo sie als Schuhputzerin den Lebensunterhalt f\u00fcr sich und ihre Familie verdiente. Daneben nutzte sie jede andere M\u00f6glichkeit: So wusch sie W\u00e4sche f\u00fcr Dritte, ging in&nbsp; Haushalten putzen, arbeitete als K\u00fcchenhilfe oder half auf dem Bau. Jeder einzelne Boliviano, den sie zus\u00e4tzlich verdienen konnte, z\u00e4hlte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alicias Vater verstarb sehr fr\u00fch bei einem Arbeitsunfall auf dem Bau. Alica konnte bis zur dritten Klasse die Schule besuchen, dann erkrankte ihre Mutter an Krebs und verstarb.&nbsp; Alicia wurde von ihrem Onkel aufgenommen, musste aber in der kleinen Fleischerei des Onkels mitarbeiten. Die Schule musste sie daf\u00fcr aufgeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie 15 Jahre alt war, begann sie als Hausangestellte in verm\u00f6genden Familien zu arbeiten.&nbsp; Ihren Wunsch, wieder in die Schule zu gehen, so wie die T\u00f6chter der Familien, f\u00fcr die sie&nbsp; arbeitete, gab sie nie auf.&nbsp; Unterst\u00fctzt wurde ihr Wissenshunger nicht, stattdessen wurde sie von den Hausherrinnen f\u00fcr ihre Tr\u00e4ume ausgelacht und k\u00f6rperlich bestraft. Mit 18 Jahren kehrte sie wieder zur Familie ihres Onkels zur\u00fcck. In dieser Zeit lernte sie ihren sp\u00e4teren Mann Wilson kennen. Auch Wilson war schon in jungen Jahren auf sich allein gestellt und musste arbeiten statt die Schule zu besuchen. Wilsons Vater hatte die Familie verlassen und eine neue Familie gegr\u00fcndet, den Kontakt zu den Kindern aus erster Ehe brach er ab. Auch Wilsons Mutter verstarb&nbsp; fr\u00fch. Wilson arbeitete schon in jungen Jahren als B\u00e4ckergehilfe und&nbsp; in der Fleischerei von Alicias Onkel. Wenn trotz der zwei Jobs das Geld nicht reichte, putzte er Schuhe. Angeleitet wurde er dabei von seinem Onkel. Leider trank er zu viel Alkohol und innerhalb kurzer Zeit bekam Wilson richtige Probleme mit dem Trinken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Familie2.jpg\" width=\"267\" height=\"182\">Do\u00f1a Alicia wurde gleich im ersten Jahr der Ehe mit Wilson schwanger und Eric kam zur Welt. Eric begann mit zehn Jahren als Schuhputzer auf der Stra\u00dfe zu arbeiten, um seine Mutter zu unterst\u00fctzen. Denn zu der Zeit versorgte Wilson seine&nbsp; Familie nicht mehr regelm\u00e4\u00dfig mit seinem Lohn, sondern gab das Geld f\u00fcr Alkohol aus. Mit 16 Jahren dann suchte sich Eric andere Gelegenheitsjobs. 2009 ging er f\u00fcr einige Monate nach Argentinien, wo er als Schneidergehilfe arbeitete. Inzwischen lebt er wieder in La Paz,&nbsp; hat eine Familie gegr\u00fcndet und lebt mit Frau und Sohn bei seinen Schwiegereltern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Schuhputzer6.jpg\" width=\"223\" height=\"297\">Auf Eric folgt Nelson. Nelson besuchte nur die erste Klasse.&nbsp; Auch er arbeitete schon seit seinem achten Lebensjahr als Schuhputzer. Nach einem langen Arbeitstag sollte er abends zur Schule gehen, doch nutzte er diese Zeit mehr zum Spielen. Heute arbeitet Nelson immer noch als Schuhputzer. Leider trinkt auch er sehr viel Alkohol. Immerhin unterst\u00fctzt er die Mutter bei den Nebenkosten f\u00fcr Wasser und Strom und bringt ab und zu Lebensmittel mit nach Hause. Die drei j\u00fcngeren Kinder Willy, Jhilda und Israel gehen noch zur Schule. Sie besuchen normalerweise abends von 18.00 Uhr bis 21.30 die Schule. Weil die Eink\u00fcnfte der Mutter nicht ausreichen, arbeiten Willy und Jhilda tags\u00fcber von 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr in einer Eisdiele. Dort verdient jeder monatlich 120 Bolivianos. Willy putzt am Wochenende Schuhe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach mehreren Fehlgeburten hatte Do\u00f1a Alicia starke Blutungen, die \u00c4rzte diagnostizierten einen Tumor, der unbedingt operiert werden m\u00fcsse. Doch aus Angst vor der Operation, den hohen Ausgaben und dem entsprechenden Lohnausfall lie\u00df sie die Zeit verstreichen, ohne sich um ihre Gesundheit zu k\u00fcmmern. Erst der Tod ihres Mannes Wilson und der Gedanke, dass ihre Kinder ganz auf sich gestellt w\u00e4ren, wenn ihr etwas zusto\u00dfen w\u00fcrde, best\u00e4rkte sie, die Operation durchf\u00fchren zu lassen.&nbsp; Vamos juntos unterst\u00fctzte sie mit einem Teil der Kosten&nbsp; und mit Lebensmitteln in den ersten Monaten nach dem Eingriff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stets bem\u00fche sich Do\u00f1a Alicia&nbsp; so viel wie m\u00f6glich f\u00fcr den Lebensunterhalt der Familie zu verdienen. Putzen , W\u00e4sche waschen, Schuhe putzen. Doch trotz ihrem Eifer mussten ihre Kinder immer mitarbeiten, konnten deshalb die Schule nur kurz und ohne einen Abschlu\u00df zu machen besuchen. Der Teufelskreis mit Gelegenheitsarbeiten ohne richtige Ausbildung drohte sich zu wiederholen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2014 \u00e4nderte&nbsp; sich alles: Alicia bekam einen Arbeitsvertrag als Putzhilfe f\u00fcr \u00f6ffentliche Toiletten. 40 Stunden pro Woche, mit einer Krankenversicherung, die ihre Kinder mitversichert. Do\u00f1a Alicia ist sogar rentenversichert. Inzwischen konnte die Familie in zwei Zimmer umziehen, eines f\u00fcr sich und ihre Tochter und eines f\u00fcr die S\u00f6hne. Ihre neue Arbeitsstelle gef\u00e4llt ihr, sie hat guten Kontakt mit ihren Kolleginnen und sie hofft auf eine Vertragsverl\u00e4ngerung im n\u00e4chsten Jahr. Damit das klappt, will sich besonders anstrengen, denn Schuhe putzen m\u00f6chte sie nicht mehr. Alicia berichtet: \u201eIch bin sehr gl\u00fccklich \u00fcber meine neue Arbeitsstelle, es ist das erste Mal, dass ich eine feste Arbeit und einen festen Lohn habe\u201c. Daf\u00fcr danke sie Vamos juntos von ganzem Herzen, denn sonst w\u00fcrde sie immer noch auf der Stra\u00dfe und in verschiedenen Haushalten arbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: Ruth Overbeck de Sumi, Mitarbeiterin bei Vamos Juntos e.V.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\">direkt zum Projektpartner in Bolivien&nbsp;<strong><a href=\"http:\/\/www.vamosjuntos.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vamos Juntos e.V.<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Geschichte beginnt mit Familie Yanique Calle und sechs Familienmitgliedern: Mutter Alicia, auch Do\u00f1a Alicia genannt mit den Kindern &nbsp;Eric, Nelson, Willy, Jhilda, Israel. Vamos juntos arbeitet mit der Mutter&nbsp; seit 2000 zusammen.Bis Anfang 2013 traf man Alicia auf der Stra\u00dfe an, wo sie als Schuhputzerin den Lebensunterhalt f\u00fcr sich und ihre Familie verdiente. 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