{"id":1702,"date":"2015-09-23T10:11:42","date_gmt":"2015-09-23T10:11:42","guid":{"rendered":"http:\/\/oberle-stiftung.de\/?page_id=1702"},"modified":"2020-08-25T12:39:31","modified_gmt":"2020-08-25T12:39:31","slug":"das-vergessene-volk-der-epera","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/?page_id=1702","title":{"rendered":"Das vergessene Volk der Epera"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/image003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-1449 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/image003-150x150.jpg\" alt=\"image003\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Schwester Victoria hat ihr ganzes Leben den Indios gewidmet und mit so ziemlich allen indigenen V\u00f6lkern\u00a0 in Equador gearbeitet oder gar gelebt. Ein Volk aber ist ihr nicht begegnet, nur in\u00a0 anthropologischen Lekt\u00fcren. Sie wu\u00dfte also, dass es dieses Volk der Epera geben mu\u00df. Aber wo?\u00a0 Es ist zwar kein gro\u00dfer Volkstamm, aber kein einziger Epera? Victoria hat das nicht losgelassen und sie hat angefangen, sich auf die Suche zu machen.\u00a0 Zun\u00e4chst fand sie keinen Epera &#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es hat ein gutes Jahr gedauert, sie suchte und suchte und hat \u00fcberall nachgefragt hat, bis sie endlich ihren ersten Epera fand!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  wp-image-1457 alignleft\" src=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/E2B-9j-MannRuderKreuz-300x225.jpg\" alt=\"E2B-9j-MannRuderKreuz\" width=\"287\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/E2B-9j-MannRuderKreuz-300x225.jpg 300w, https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/E2B-9j-MannRuderKreuz.jpg 837w\" sizes=\"auto, (max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/>Schwester Victoria hat\u00a0 sich so dar\u00fcber gefreut, dass sie den ersten Epera gleich in ihre Arme schloss. Dieser wu\u00dfte jedoch nicht so recht wie ihm da geschah, gleich so intensiv um\u00e4rmelt zu werden, noch dazu von einer Nonne!<br \/>\nEinmal f\u00fcndig,\u00a0 hat Victoria noch andere vom Volk der Epera enteckt, aber immer nur einzelne, verstreut lebende Familien, oft in ganz j\u00e4mmerlichen Zust\u00e4nden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Epera hatten in einem Vertreibungsprozess \u00fcber Jahrhunderte zum Schlu\u00df alles verloren. Sie besassen\u00a0 kein einziges St\u00fcckchen Land mehr,\u00a0 obwohl ihnen einst &#8211; als es noch keine Grundb\u00fccher gab &#8211; im Nordosten von Ecuador ziemlich viel geh\u00f6rt haben mu\u00dfte. Sie wurden in die Elendsviertel der K\u00fcstenst\u00e4dte vertrieben, isoliert\u00a0 und v\u00f6llig verarmt. Ihre\u00a0 spezielle Lebensart,\u00a0 Sprache und Kultur war untergegangen.<\/p>\n<table style=\"height: 221px;\" width=\"310\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 30px; height: 30px;\"><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Guayaquil-Isla-Trinitaria-InternetBild1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  wp-image-1783 aligncenter\" src=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Guayaquil-Isla-Trinitaria-InternetBild1-300x201.jpg\" alt=\"Guayaquil Isla Trinitaria InternetBild1\" width=\"340\" height=\"228\" srcset=\"https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Guayaquil-Isla-Trinitaria-InternetBild1-300x201.jpg 300w, https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Guayaquil-Isla-Trinitaria-InternetBild1.jpg 638w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da schrieb Schwester\u00a0 Victoria einen langen Brief\u00a0 an ihre langj\u00e4hrigen Unterst\u00fctzer von der Oberle-Stiftung und insbesondere an Clemens Oberle, der \u00fcber die gemeinsamen Reise zu den entlegenen Indio-D\u00f6rfern ein guter Freund geworden war.<br \/>\nGleich frank und frei und vorneweg hat sie geschrieben: &#8222;Clemens, diesmal wird es teuer! Diese Menschen brauchen ein St\u00fcck Land&#8220;.<br \/>\nDer so Angeschriebene hat sich erst ziemlich gewunden, weil zum Kauf von Grundbesitz in Lateinamerika so gar nichts in den Statuen der Oberle-Stiftung zu finden ist.\u00a0 Erst einmal zur\u00fcckgefragt:\u00a0 &#8222;K\u00f6nnte man das nicht irgendwie &#8218;finanzieren&#8216;, ein &#8218;Hypothekendarlehen&#8216; vielleicht, gerne auch zinslos &#8230;..\u00a0&#8222;. Ein klares &#8222;NEIN&#8220;, war die Antwort: &#8222;Wir m\u00fcssen froh sein, wenn die Epera sich auf diesem St\u00fcckchen Land selbst ern\u00e4hren und durchbringen k\u00f6nnen. Zu einer Tilgung kann und wird es nirgends hinreichen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um es abzuk\u00fcrzen, die Oberle-Stiftung hat es dann gemacht*. Wir haben sogar noch andere &#8222;Gesellschaften f\u00fcr bedrohte V\u00f6lker&#8220; gefunden, die mitgemacht haben und deshalb gibt es heute ein kleines, abseitig gelegenes Dorf an einem Flu\u00df, das nennt sich:\u00a0&#8222;Santa Rosa de la Epera&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/image006.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-1450\" src=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/image006.jpg\" alt=\"image006\" width=\"510\" height=\"340\" srcset=\"https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/image006.jpg 726w, https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/image006-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es hat sich gelohnt: Es ist ein wundersch\u00f6nes Projekt daraus geworden! Die Epera haben begonnen sich wieder dort\u00a0 anzusiedeln,\u00a0wo sie hingeh\u00f6ren. Auch wenn die meisten Behausungen f\u00fcr unsere Verh\u00e4ltnisse sehr durchsichtig erscheinen, das geh\u00f6rt durchaus zu ihrer gemeinschaftlichen und offen Lebensweise. Gardinen kennen sie nunmal nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  wp-image-1456 alignleft\" src=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/E2B-9i-KanuFrauKinder-Detail-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"251\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/E2B-9i-KanuFrauKinder-Detail-300x225.jpg 300w, https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/E2B-9i-KanuFrauKinder-Detail-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 251px) 100vw, 251px\" \/>Die Epera sind Boot-People, Flu\u00dfmenschen, sie leben am, im und vom Flu\u00df.\u00a0Ihre Mythen erz\u00e4hlen auch, wie Gott am Ufer des gro\u00dfen Flu\u00dfes einst die ersten Menschen schuf. Zun\u00e4chst hat er sie aus Lehm vom Flu\u00dfufer geformt und ihnen dann Leben einhaucht. Und je nachdem, was f\u00fcr einen Lehm er genommen hat, wurden sie dann halt etwas heller, r\u00f6tlicher oder br\u00e4unlicher &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie haben in Ihrem neuen Dorf einen neuen Lebensmittelpunkt.\u00a0Ihre Traditionen wiederbelebt, ihre Mythen, Riten, ihre T\u00e4nze und ihr Leben in Gemeinschaft, das grunds\u00e4tzlich demokratisch verfasst ist, aber auch sehr harte Strafen kennt, wenn sie die Gemeinschaft beschlie\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Victoria hat acht Jahre dann dort gelebt. Eine kleine Schule aufgebaut und die Kinder gelehrt, aber vor allem auch selbst gelernt. Zun\u00e4chst hat sie &#8222;Epera&#8220; lernen m\u00fcssen, denn die Epera haben eine eigene Sprache, und sie hat diese Sprache erstmalig auch aufgeschrieben &#8211; denn das ist nat\u00fcrlich keine Schriftsprache.\u00a0Und in dieser Sprache hat sie dann Geschichte und Kultur der Epera aufgeschrieben &#8211; so wie sie diese selbst sie erz\u00e4hlen.<br \/>\nLetztlich ist ein ganzes Buch daraus geworden. Komplett zweisprachig: In Spanisch und &#8222;Epera&#8220; geschrieben. Es gibt viele sch\u00f6ne Fotos darin. Und es ist &#8211; nach meiner Kenntnis &#8211; das einzige Buch in Epera und \u00fcber die Epera, das es auf der Welt gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Clemens Oberle<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwester Victoria hat ihr ganzes Leben den Indios gewidmet und mit so ziemlich allen indigenen V\u00f6lkern\u00a0 in Equador gearbeitet oder gar gelebt. 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