{"id":1963,"date":"2007-09-28T17:08:00","date_gmt":"2007-09-28T17:08:00","guid":{"rendered":"http:\/\/oberle-stiftung.de\/?page_id=1963"},"modified":"2023-10-13T09:05:03","modified_gmt":"2023-10-13T09:05:03","slug":"mein-geld-ist-weg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/?page_id=1963","title":{"rendered":"Mein Geld ist weg!"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/WO-8-BZ-050507.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-834\" src=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/WO-8-BZ-050507-150x150.jpg\" alt=\"WO 8 BZ 050507\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a>Warum der Million\u00e4r Wilhelm Oberle auf intelligente Weise seinen Reichtum vernichtet.<br>Portr\u00e4t eines Stifters \/ Von Stefan Hupka<br><\/strong>(Badische Zeitung vom 07.05.2005)<\/p>\n<p>Was Reichtum ist, davon hatte er schon als Bub eine klare Vorstellung: vier R\u00e4der, f\u00fcnf Sitze, Blechdach dar\u00fcber \u2013 ein Auto. In dem Dorf, in dem er aufwuchs, gab es unter zweitausend Einwohnern nur f\u00fcnf, die sich solch sagenhaften Luxus leisten konnten. Seine Familie war nicht darunter. \u201eH\u00e4tte mir damals jemand gesagt, dass ich mal ein Auto fahren werde, h\u00e4tte ich ihm geantwortet, du spinnst.\u201c <!--more--><\/p>\n<p>Heute kann sich der Sohn eines bettelarmen Waldarbeiters die zehn teuersten Autos der Welt gleichzeitig kaufen. Wenn er will. Aber das will er nicht. Nicht, dass Wilhelm Oberle geizig w\u00e4re. Im Gegenteil.<br>Der gelernte Kaufmann sucht geradezu Gelegenheiten, sein vieles Geld auszugeben, er verleiht es zinslos, verschenkt es sogar \u2013 unter einer Bedingung: dass der Beschenkte das Geld wirklich braucht.<br>\u201eBraucht\u201c ist nat\u00fcrlich relativ. Wer hat schon genug Geld und braucht nicht mehr \u2013 und wenn es so w\u00e4re, wer w\u00fcrde das zugeben? Wilhelm Oberle zum Beispiel.<br>Er hat Geld mehr als genug und gibt das auch noch zu. \u201eIch habe Gl\u00fcck gehabt und war wirtschaftlich erfolgreich, ich habe einekleine Firma in drei\u00dfig Jahren gro\u00df gemacht und sie zu einem g\u00fcnstigen Zeitpunkt verkauft.\u201c Das ist jetzt mehr als f\u00fcnfzehn Jahre her. Seitdem ist Wilhelm Oberle nicht mehr Fabrikant von Naturheilmitteln in Kirchhofen, sondern: Stifter.<br><a href=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Mein-Geld-ist-weg-BZArtikel-2005.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-1969\" src=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Mein-Geld-ist-weg-BZArtikel-2005-726x1024.jpg\" alt=\"Mein Geld ist weg BZArtikel 2005\" width=\"358\" height=\"505\" srcset=\"https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Mein-Geld-ist-weg-BZArtikel-2005-726x1024.jpg 726w, https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Mein-Geld-ist-weg-BZArtikel-2005-213x300.jpg 213w, https:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Mein-Geld-ist-weg-BZArtikel-2005.jpg 956w\" sizes=\"auto, (max-width: 358px) 100vw, 358px\" \/><\/a><br>Mit damals zwei Millionen Mark hat er 1990 die gemeinn\u00fctzige Wilhelm-Oberle-Stiftung ins Leben gerufen, inzwischen ist sie die gr\u00f6\u00dfte private Stiftung Freiburgs.<br>\u201eAls feststand, dass meine Kinder meine Firma nicht weiterf\u00fchren wollten, die ich aufgebaut habe, und ich mich deshalb entschied zu verkaufen, wollte ich nicht, dass sie als meine Erben das ganze Geld bekommen\u201c, begr\u00fcndet Oberle den Schritt heute k\u00fchl.<\/p>\n<p>Aber das liest sich hartherziger, als es klingt, wenn der r\u00fcstige Mann in seiner Villa oben auf Freiburgs Lorettoberg aus seinem Stifterleben plaudert. Ein freundlicher, ausgeglichener Herr im legeren Cordanzug, das Hemd kariert, der Kragenknopf offen, das Mobiliar der Villa gediegen, nicht protzig.<br>Derzeit betr\u00e4gt das Kapital seiner Stiftung zehn Millionen Euro. Aus den Ertr\u00e4gen dieses Stocks gibt sie bis zu 1 Million Euro pro Jahr f\u00fcr ihren Satzungszweck aus: \u201eDie F\u00f6rderung und Unterst\u00fctzung von Personen, die aufgrund ihres Alters, ihres Gesundheits- oder geistigen Zustands, ihrer sozialen Situation oder einer materiellen Notlage auf die Hilfe Dritter angewiesen sind.\u201c<\/p>\n<p>Damit hat der strenge Vater seine Kinder zwar teilweise enterbt, aber diese machen dabei sogar mit : Sohn Clemens verantwortet die Auslandshilfen der Stiftung, Tochter Cathrin betreut die sozialen Hilfen im Inland, mit Schwerpunkt im Gro\u00dfraum Freiburg.&nbsp; Die beiden nebst den weiteren Festangestellten der Stiftung \u2013 vier Sozialarbeiter und eine Fremdsprachensekret\u00e4rin \u2013 haben gut zu tun:&nbsp; die Nachfrage brummt.<\/p>\n<p>Dabei kann es im Einzelfall um \u00fcberschaubare Betr\u00e4ge gehen, etwa die Kosten einer Klassenfahrt, die sich ein Elternhaus nicht leisten kann, oder eine \u00fcberf\u00e4llige Stromrechnung, die die Stiftung begleicht, damit dem s\u00e4umigen Haushalt der Strom wieder angestellt wird, oder auch nur um das Kommunionskleidchen f\u00fcr den Wei\u00dfen Sonntag. Teurer werden Leistungen f\u00fcr Behinderte, z.B. behindertengerechte Anschaffungen f\u00fcr solche, die sich das nicht leisten k\u00f6nnten.&nbsp; Daneben gibt es Hilfen zur Entschuldung von Privatleuten aus. \u201eVerschuldung ist die neue Form der Armut\u201c, sagt Oberle.<br>Seinesgleichen (die Reichen) nimmt Oberle eher mahnend ins Gebet: \u201eViele Leute, gerade die erfolgreichen, \u00fcbersch\u00e4tzen den eigenen Anteil an ihrem Erfolg und vernachl\u00e4ssigen dabei die Umst\u00e4nde: Gl\u00fcck, Zuf\u00e4lligkeiten oder das gro\u00dfe Wort Schicksal.\u201c<\/p>\n<p>Oberle sieht seine Stiftung nicht in Konkurrenz zum organisierten Sozialstaat oder etwa als Reparaturbetrieb f\u00fcr dessen Unterlassungen. \u201eStaatliche Hilfe kann nicht jede L\u00fccke abdecken\u201c, sagt der Stifter. \u201eEs gibt immer Menschen, die durch das soziale Netz fallen,&nbsp; weil sie nirgends hineinpassen, oder auch&nbsp; aus falscher Bescheidenheit.<br>Es gibt auch eine versteckte Armut. Wir erleben sehr oft, dass die Kinder nicht wollen, dass die Eltern es erfahren oder umgekehrt. Es gibt auch immer wieder Leute, die sich weigern, zum Sozialamt zu gehen. Da f\u00fchren wir sie allerdings hin, weil wir unsere Hilfen erst einsetzen wollen, wenn die \u00f6ffentlichenHilfen ersch\u00f6pft sind.\u201c<\/p>\n<p>Die Weltanschauung des Stifters Oberle trifft sich mit dem, was Lothar Sp\u00e4th seit langen Jahren als Modell einer neuen B\u00fcrgergesellschaft propagiert: ein florierendes Stiftungswesen. \u201eIch habe nichts dagegen, dass es reiche Leute gibt\u201c, pflegt der fr\u00fchere baden-w\u00fcrttembergische Ministerpr\u00e4sident, heute selbst ein reicher Mann, in seinen Reden zu sagen. \u201eDie Frage ist nur, wie man sie dazu bringt, einen Teil ihres Reichtums zur Unterst\u00fctzung anderer freizusetzen. Deutschland besitzt acht Billionen Euro Privatverm\u00f6gen. Wir m\u00fcssen die Leute dazu bringen, mit Lust intelligente Reichtumsvernichtung zu betreiben.\u201c<br>Nimmt man die blo\u00dfen Zahlen, dann h\u00e4tte es dieser Aufforderung des umtriebigen Schwaben nicht bedurft: Das Stiftungswesen erlebt in Deutschland seit den fr\u00fchen 90er-Jahren einen Boom. Die Erbschaften der r\u00fchrigen Nachkriegsgeneration, siehe Wilhelm Oberle, suchen sich sinnvolle Zweckbindungen.<\/p>\n<p>Oft aber muss sich der Stifter von Freund und Feind anh\u00f6ren: Du machst das doch blo\u00df, um Steuern zu sparen. Genau darin, in dem immer noch verbreiteten Ruch der Stiftungen als verkappte Steuersparmodelle, sieht Oberle den Hemmschuh einer florierenden Stifterlandschaft. \u201eDiese Leute t\u00e4uschen sich. Sie \u00fcbersehen, dass ich zwar im Moment des Stiftens eine Steuerersparnis erziele. Aber ich kann nicht pl\u00f6tzlich sagen, jetzt h\u00f6re ich mal wieder auf mit der Stiftung. Mein Geld ist weg, unwiederbringlich weg!\u201c<\/p>\n<p>Wenn Stifter Oberle von solchen Diskussionen die Nase voll hat, dann wei\u00df er, was ihn wieder aufbaut: eine Reise nach Afrika oder S\u00fcdamerika, wo seine Stiftung die H\u00e4lfte ihrer j\u00e4hrlichen Hilfen unterbringt, in Projekten f\u00fcr Stra\u00dfenkinder in Peru oder f\u00fcr Brunnen in Tansania. Und er erz\u00e4hlt die Geschichte von dem Massai, dem ein L\u00f6we ein Bein abgerissen hat. \u201eNicht mehr gehen zu k\u00f6nnen, das w\u00e4re sein Ende gewesen in seinem Wandervolk.\u201c Also hat die Stiftung ihm in Freiburg nach pr\u00e4zisen Vorgaben eine Prothese bauen lassen. \u201eIch habe mich sogar selbst davon \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, dass er wieder l\u00e4uft.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bin der inneren \u00dcberzeugung, dass der Mensch nicht allein dazu auf der Welt ist, dass er sich dort nur um sein eigenes Wohl k\u00fcmmert.\u201c<br>Das schlie\u00dft das eigene Wohl nicht aus, denkt er dann \u2013 steigt in sein Auto und f\u00e4hrt regelm\u00e4\u00dfig in seinen Geburtsort Nordrach nahe dem Kinzigtal, um dort nach seiner Hobbylandwirtschaft und seinen Schafen zu sehen und alte Freunde zu treffen.<\/p>\n<p>SWR4 Radio-Interview mit Tochter und Vorst\u00e4ndin Cathrin von Essen (2007)<\/p>\n<!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-1963-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Radio-Interview-SWR4-CVE-ueber-WOS-allg-1107_92_.mp3?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Radio-Interview-SWR4-CVE-ueber-WOS-allg-1107_92_.mp3\">http:\/\/oberle-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Radio-Interview-SWR4-CVE-ueber-WOS-allg-1107_92_.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/wilhelm-oberle-der-gemeinnuetzige-selfmademan\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zu einem weiteren Artikel in der Badischen Zeitung vom 12.03.2007 &#8211; \u201eWilhelm Oberle \u2013 der gemeinn\u00fctzige Selfmademan<\/a><\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum der Million\u00e4r Wilhelm Oberle auf intelligente Weise seinen Reichtum vernichtet.Portr\u00e4t eines Stifters \/ Von Stefan Hupka(Badische Zeitung vom 07.05.2005) Was Reichtum ist, davon hatte er schon als Bub eine klare Vorstellung: vier R\u00e4der, f\u00fcnf Sitze, Blechdach dar\u00fcber \u2013 ein Auto. In dem Dorf, in dem er aufwuchs, gab es unter zweitausend Einwohnern nur f\u00fcnf, &hellip; <a href=\"https:\/\/oberle-stiftung.de\/?page_id=1963\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Mein Geld ist weg!<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":32,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[43,69],"tags":[],"class_list":["post-1963","page","type-page","status-publish","hentry","category-allgemein-website","category-presse"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1963","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1963"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1963\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5195,"href":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1963\/revisions\/5195"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/32"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1963"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1963"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oberle-stiftung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1963"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}