In guten wie in schlechten Zeiten

Schuldnerberatung 03Als das ältere Ehepaar Fischer* zu uns kam, hatten Sie einen wirklichen Tiefpunkt in ihrem Leben erreicht.
Herr Fischer war an Krebs erkrankt, Frau Fischer hatte schwere Depressionen. Die finanzielle Situation hatte sich zudem sehr verschlechtert, weil der Mann krankheitsbedingt seine Nebenbeschäftigung aufgeben musste. Dabei reichten die kleinen Renten von Herrn und Frau Fischer schon seit längerer Zeit nicht mehr aus ….

… um die Lebenshaltungskosten zu decken und daneben auch noch Schulden und Zinsen zu bezahlen.
In unserem ersten Gespräch erzählten Sie uns ihre Geschichte: beide sind – wie viele andere dieser Generation – in den schwere Zeit nach dem zweiten Weltkrieg aufgewachsen. Als Kinder – Herr Fischer auf einem Bauernhof – mussten sie schon hart arbeiten. Über die Vergangenheit und die Kriegserlebnisse der Eltern wurde in den Familien nicht gesprochen. Die Kinder durften genauso wenig Schwächen zeigen, wie ihre Eltern zuvor auch. Die Rollen zwischen Männer und Frauen waren klar zugeordnet und die Erwartungen an die Kinder groß. Diesen Vorgaben entsprachen  das junge Ehepaar Fischer von den ersten Jahren ihres gemeinsamen Lebens an bis heute. Sie haben sich den Wunsch nach einer eigenen Familie erfüllt und drei Kinder groß gezogen. Während der Mann durch seine handwerklichen Fähigkeiten die Familie ernährte, kümmerte sich seine Frau um die Kinder. Sie erlebten, trotz harter Arbeit, sehr schöne gemeinsame Zeiten.
Als die Kinder dann das Haus verließen, hatten beide erstmals Zeit für sich selbst. Aber in dieser Zeit bekam Frau Fischer starke Depressionen. Sie konnte das Haus nicht mehr verlassen und zog sich völlig zurück. Herr Fischer versuchte ihr zu helfen – so gut es eben ging – bis er dann selbst krank wurde.

Wie können wir nun Auswege aus der verzweifelten Situation finden? Eigentlich sollte es ja ‚nur‘ um Schulden gehen. Wir sind schließlich eine Schuldnerberatung. Nach einigen Beratungsgesprächen war Frau Fischer schließlich  bereit, zusätzlich zu unserer Betreuung professionelle therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Schuldnerberatung 06Die nächste Aufgabe war, die Existenzangst zu nehmen, ganz real verbunden mit der Sicherung des unmittelbaren Lebensunterhalts. Also Geld-Lösungen mit dem Vermieter und dem Stromanbieter zu suchen und zu finden, so dass nicht auch noch Stromabschaltung oder gar Wohnungsverlust drohen.

Durch eine Beihilfe konnten wir die für die Strahlentherapie notwendige, begleitende Betreuung von Herrn Fischer sicherstellen.

Alle anderen Gläubiger wurden erstmals angeschrieben und während unserer Betreuung um Stundung ihrer Forderungen gebeten.
In den Folgegesprächen konnten Einsparungen im monatlichen Budget der Familie erzielt und die Scham überwunden werden, einen Wohngeldantrag zu stellen.

Schuldnerberatung 04Nach der Existenzsicherung wurde nun der Schriftverkehr mit den weiteren Gläubigern der Familie fortgesetzt.

Wir verschafften uns einen Überblick mit dem Ziel, eine außergerichtliche Lösungsmöglichkeit zu finden. Aufgrund der fehlenden Rücklagen und der kleinen Renten kam es allerdings zu keiner Einigung mit allen Gläubigern.
So blieb als einziger Weg zu einem wirtschaftlichen Neuanfang nur noch die Einleitung des sog. gerichtlichen Insolvenzverfahrens mit anschließender Restschuldbefreiung. In mehreren Gesprächen wurden die Ängste vor dem Verfahren, dem Gericht, das Gefühl des Versagens und der Scham vor dem Hintergrund der jeweiligen Biographien besprochen. Schließlich entschloss sich das Ehepaar Fischer, diesen Weg – mit unserer Unterstützung – zu gehen.

Die Insolvenzverfahren wurden im Jahr 2012 eröffnet.
Im Jahr 2018 werden beide schuldenfrei sein.
Wenigstens im hohen Alter endlich von Altlasten befreit.

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*(Name geändert)