Warum die Schuhputzer von La Paz Masken tragen

Zeigt her eure Schuh!

Martin steht jeden Morgen um 5:00 Uhr auf, kurz vor Sonnenaufgang. Schnell zieht er sich warm an, um diese Uhrzeit ist es kalt in La Paz. Besonders in den höheren Lagen der Stadt (4.000 m), wo die Menschen wohnen, die nicht viel besitzen – so wie Martin. Eine halbe Stunde steiler Fußweg ist es bis zu der Straße, von wo aus die Minibusse fahren. Martin geht schnell, er ist gut in Übung für seine 60 Jahre.

Um Punkt 6:30 Uhr beginnt er seine Arbeit am „Plaza San Francisco“, dem zentralen Platz der Stadt. Mindestens 30 bis 40 Paar Schuhe muss er heute putzen, um Fahrgeld, Essen, Schuhputzcreme und Miete bezahlen zu können. Wenn es gut läuft, bekommt er das Nötigste zusammen. Teure Schulbücher brauchen seine Kinder zum Glück nicht mehr. Was aber macht Martin, wenn die gebrochene Hand weiter so schlecht verheilt? In Bolivien müssen Leute, die keine Krankenversicherung haben, ärztliche Leistungen in der Regel vor der Behandlung bezahlen. Wird das Geld ausreichen, um über Ostern die Familie im Tiefland besuchen zu können?

Schuhputzer5

So wie Don Martin sind alle Schuhputzer Menschen, die ihren Lebensunterhalt verdienen, indem sie Schuhe putzen. Saubere Schuhe stehen in Bolivien für eine gute Herkunft.

Diejenigen, die sie zum glänzen bringen, gelten dagegen als alkoholabhängig, drogensüchtig, kriminell und allgemein als minderwertig. Ihre gesellschaftliche Position entspricht sozusagen ihrer Arbeitsposition – zu Füßen der Menschen, für die sie arbeiten. Sie sind maskiert! Damit schützen sie sich vor den abschätzigen Blicken ihrer Kunden.

Schuhputzer-MaskenAber hinter den Masken verbergen sich auch Väter, Mütter und Kinder, Studierende und Schüler. Alte und junge Menschen. Auf der Suche nach einem kleinen Einkommen.

Schuhputzer arbeiten in Bolivien im „informellen Sektor“. Sie haben keinen Anspruch auf Sozialhilfe, keinen Anspruch auf Rente und keine Krankenversicherung.  Wer krank ist, verdient nichts. Und muss den Arzt obendrein bezahlen.

Aber untereinander sind selbst diese „Arbeitsplätze“ reglementiert. Nicht jeder darf einfach auf jedem Platz Schuhe putzen … bis ihn die Polizei dann verscheucht.
Es zählt jede Stunde, um das Nötigste zusammenzubekommen. Woher die Zeit nehmen, einen sicheren Beruf zu erlernen? Und wie an sich selber glauben, wenn die Menschen nur die Maske sehen, hinter der das Gesicht verborgen bleibt?

VAMOS JUNTOS („Wir gehen zusammen“) wagt den Blick hinter die Masken und lernt die Menschen in der direkten Begegnung kennen und unterstützt diese.

FreiwilligerVamosJuntos

direkt zu unserem Projektpartner in Bolivien Vamos Juntos e.V.

 Video zum Projekt Vamos Juntos – Lasst uns gemeinsam gehen