bedingungslose Liebe: auf den Spuren des hl. Franziskus

TonsurWir haben schon gewusst, dass es da einen sehr speziellen, jungen Orden gibt, der ganz neu den alten Wegen des heiligen Franziskus nachfolgt: Laien-Brüder, die alles eigenes Hab und Gut aufgeben, um einzig für  die Ärmsten der Armen da zu sein.

Eines Tages in einem Straßencafé in Quito haben wir dann zwei Mönche aus einem anderen Zeitalter an uns vorbeilaufen sehen: barfuß,  in einer Kutte aus grobem Stoff, das Haupt  kahl rasiert.
Sie gingen sie an uns vorüber. Und wir gingen hinterher …

Wir wollten wissen, ob sie es sind, von denen wir schon gehört hatten und was sie eigentlich machen. Sie haben uns – mit großer Offenheit und Warmherzigkeit –  eingeladen mit in ihr Haus zu kommen und selbst zu sehen.

20150225_113242 Ausschnitt2Aber zuvor: wer sind denn eigentlich die Ärmsten der Armen, die ‚Elenden’?

Die, die nichts zu essen haben.
Die, die ihre ‚Familienbande‘ verloren haben.
Die, die ohne Dach über dem Kopf sind.

Vor allem aber die, die zu alledem keine Hoffnung mehr haben.

Um diese will sich die Bruderschaft „Toca de Asis“ annehmen.  Und dem Ruf und Charisma des brasilianischen Ordensgründers sind auch in heutigen Zeiten noch viel junge Menschen gefolgt.

 

I20150225_114510hre Tonsur symbolisiert  Demut. Ihr grobes Gewand zeigt ihr Gelübbte, sich durch  eigene Armut auf die gleiche Stufe der Armen zu stellen. Sie laufen barfuß. Sie wollen den Armen von Angesicht zu Angesicht begegnen.
Ihr Glaube: nur in der Demut vor dem Nächsten kann man Gott im Nächsten erfahren.
Ärmlich, kahl rasiert, aber mit Gesichtern voll Freude.

Sie gehen spät nachts raus auf die Straße und sehen nach den Menschen die dort einsam und verlassen noch ‚hausen';  die dreckig sind, schlecht riechen, meist alkoholisiert sind und oft krank. Diejenigen in schlechtestem Zustand nehmen sie mit in ihr Haus.
Sie baden sie. Sie schneiden ihnen die Nägel. Sie waschen ihre Wäsche oder geben ihnen neue Kleider. Sie verbinden ihre Wunden Sie behandeln sie als geliebte Gäste  und bringen sie ins schließlich in ein frisch gemachtes Bett.

20150225_114232Die Aufgenommen reagieren zunächst mit Misstrauen. Niemand hat sie bisher so behandelt. Seit Jahren haben sie kein gutes Wort mehr gehört, keine Umarmung erhalten, keine zwischenmenschliche Wärme mehr gespürt. Und sind sich selbst schließlich nichts mehr wert gewesen.
Nach und nach tauen sie auf, dürfen sich tatsächlich wieder angenommen fühlen. Ihre eigene (Mit-) Menschlichkeit darf wieder (her-) vorkommen.

 

Viel gehen am nächsten Tag wieder raus auf die Straße. So wie sie es gewohnt sind. In ihr altes Leben zurück. Viele kommen aber auch wieder, sind angerührt von dieser Erfahrung und „ergeben“ sich schließlich dieser seltsamen, bedingungslosen Liebe.

Es beginnt ein innerlicher Prozess der Selbstwertschätzung, der ‚Rehabilitation‘, schließlich der ‚Reintegration‘. Erst in die quasi klösterliche Gemeinschaft, schließlich auch draußen,  in die Gesellschaft.
Dafür lernen sie alte Sachen neu und bekommen ansatzweise eine kleine Ausbildung.
Sie arbeiten in der Küche mit, lernen dabei aber auch zu kochen. Es gibt eine Hausbäckerei, die ihr Brot, soweit es nicht auf der Straße verteilt wird, auch verkauft.

20150225_114725Sie gewinnen langsam ein neues Zutrauen, lernen vor allem sich selbst wieder anzunehmen.
Die Laienbrüder versuchen dann auch ihre Familien wiederzufinden bzw.  zu helfen, sich dort wieder hineinzufinden.

So z.B. Pedro:
er hatte fünfzehn Jahre auf der Straße gelebt, und kam verletzt ins Haus, weil ihn ein Wagen – angetrunken – angefahren hatte. Zuvor lag er 3 Tage lang verletzt auf der Straße, bevor ihn die Brüder de la Toco  in ein Hospital brachten. Dort musste ihm allerdings ein Bein abgenommen werden.
Nach einem langen ‚Prozess‘ ging er schließlich in seine alte Familie zurück, die ihm verzieh, ihn wieder aufnahmen. Ein echte, zweite Chance, nun ohne ein zweites Bein.

 

Wir unterstützen die Brüder von Toca de Asis nun schon eine ganze Weile und haben uns an das Klientel, an das seltsame Aussehen der Toca und ihre spezielle Lebensweise fast schon gewöhnt.

Aber wir erinnern uns auch noch daran, wie wir nach dem ersten Besuch mit Tränen in den Augen aus dem Haus gelaufen sind. Weinend vor Freude,  dass es eine gelebte, bedingungslose Liebe tatsächlich gibt.
Die davon zeugt, wie diese unsere  Welt auch sein könnte.