Computergesteuertes Kerzenziehen für Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen

img_0479Schülerinnen und Schüler einer Schule für Körper- und Geistigbehinderte sollen mit Hilfe einer computergesteuerten Schwenk- und Hebevorrichtung die Möglichkeit bekommen, an einem Produktionsprozess aktiv und steuernd teilzunehmen.
Die Schüler sollen hier ‚Selbstwirksamkeit‘ erleben und die Bedeutung von Tätigsein und den Nutzen von Arbeit für die eigene Person erkennen. Das Endprodukt sind getauchte Bienenwachskerzen, die für den Weihnachtsmarkt oder als Geschenke  produziert werden können …

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Aufbau:  Kessel und Schmelzeimer, um das Wachs im Wasserbad zu verflüssigen. Seitlich verschiedene Sicherheits­abdeckungen für das noch heiße und tropfende Wachs. Die Kerzendochte, um die sich das Wachs in dem wiederholenden Tauchprozess aufbauen soll, sind in einer Halterung fixiert. Diese hängt an einer Art Seilwinde die wie ein Kran an einem Schwenkarm befestigt ist. Dieser kann manuell über das Heißwachs geschwenkt, oder zum Bestücken weggeschwenkt werden. Das Tauchen soll über einen Funktaster die Möglichkeit des computergesteuerten, vorprogrammierten Tauchens, ermöglichen.

Hintergrund: Die Motivation zur Installierung dieser „Maschine“ begründete sich auf dem Grundsatz der Teilhabe aller Menschen in der Gesellschaft.
Arbeit als Grundbedürfnis und Identitätsschaffung, zur Ausbildung eines Zugehörigkeitsgefühls und sinnstiftende Beziehung im Alltag, wird Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen oft abgesprochen. Jedoch haben alle Menschen das Streben danach. Die Möglichkeit dieser Entfaltung ist jedoch eine Herausforderung und bedarf mancher spezifischer Hilfsmittel.

Bienenwachskerzen herzustellen bedeutet an einem Herstellungs- und Arbeitsprozess beteiligt zu sein. Der Rohstoff Bienenwachs ist ein Naturprodukt und die fertig getauchten Kerzen sollen im Weiteren das Verpacken, Etikettieren, Verkaufen, etc. beinhalten.
Weitere Bildungsziele und Arbeitsschritte können somit erschlossen werden.

Umsetzung: Das Projekt wurde durch einen Berufsschulstufenlehrer umgesetzt. Der Großteil der Arbeit wurde in Eigenarbeit vorbereitet. Eine externe Firma war bei der weiteren technischen Umsetzung behilflich. Im Frühjahr 2016 wurde das Projekt fertiggestellt und nach einer Zertifizierung eingesetzt.
(Nach einer erfolgreichen Erprobungsphase wäre es denkbar diesen Prototyp in Heilpädagogischen Förder- und Werkstätten einzusetzen.)