Coole Bücher für heiße Tage

CooleBuecherSmallWas haben alte Kühlschränke und Bücher auf den ersten Blick gemeinsam? Ersteinmal gar nichts. Doch bei genauerem Hinsehen geben die beiden ein anschauliches und sehr erfolgreiches Paar ab. Wie? Das neue Herzstück auf dem Tennenbacherplatz ist seit Sommer 2014 ein offenes Bücherregal: vier umgebaute und alte Kühlschränke, prall gefüllt mit Büchern aus aller Herren Länder. Wer Lust hat kann sich zu jeder Tages- und Nachtzeit Lesestoff holen …

P1090120„Wie viele Bücher darf ich mir denn jetzt nehmen?“, will der Junge, der auf das offene Bücherregal zusteuert, von Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach erstmal wissen.
Dessen Antwort fällt diplomatisch aus: „Nicht mehr als du auch lesen kannst.“
Auch sonst sind die Regeln ganz einfach: Wer will, kann sich Bücher herausnehmen und auch wieder neue einstellen. Völlig kostenlos und ohne davor etwas anzumelden.
Dass das erste offizielle offene Bücherregal am Tennenbacher Platz in Brühl-Beurbarung steht, freut Christian Himmelsbach, den Vorsitzenden des Trägervereins: „Es ist toll, dass es gerade hier im Stadtteil, wo Lesen in der Freizeit keine Selbstverständlichkeit ist, jetzt so eine Möglichkeit gibt, den Leuten Bücher näher zu bringen.“ Auch zwei türkischsprachige Gruppen im Stadtteiltreff wollen mitwirken, es sollen auch Bücher in anderen Sprachen verfügbar sein.

Damit das Regal weder leer steht noch zur Altpapier-Müllhalde verkommt, sieht das Team des nahe gelegenen Stadtteiltreffs Brühl-Beurbarung regelmäßig nach dem Rechten. „Anders ist so ein Vorhaben nicht denkbar“, sagt Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach, denn die Stadt könne die Verwaltung solcher Projekte nicht übernehmen. Um die Instandhaltung des offenen Bücherregals kümmert sich der Stadtteiltreff.

P1090121Anfangs gab es viele Bedenken, ein offenes Bücherregal aufzubauen. Wird vandaliert? Werden die Bücher gestohlen? Was, wenn die Bürgerinnen und Bürger kein Interesse haben? All diese Bedenken konnten allerdings schon nach kurzer Zeit in den Wind geschlagen werden. Egal zu welcher Jahreszeit, Tages- oder Nachtzeit, man sieht regelmäßig Kühlschrankbesucher, die sich am Bücherregal bedienen oder, wie auch Nathalié, Bücher beisteuern. „Ich gehe gerne zu den Kühlschränken und schaue welche neuen Exemplare dort liegen. Meist ist dort jemand anders anzutreffen, ich komme ins Gespräch und lerne dadurch auch Menschen in der Nachbarschaft kennen“, so eine Bewohnerin der Tennenbacherstraße.
Die Kühlschränke als neues Herzstück im Stadtteil sind also ein voller Erfolg!

Quelle: Badische Zeitung / Tobias Heidenreich

Coole Bücher für heiße Tage (veröffentlicht am Sa, 20. Juli 2013 auf badische-zeitung.de)